Baum Sprößling im Wald

Wald in Gefahr

9. Juni 2020

Masterplan 2030+ sieht neben dem Eberstädter Wald Potentialflächen in Ost- und Westwald vor – SPD fordert Wohngebiet im Norden und mehr interregionale Zusammenarbeit

Erneut stellt die Stadtregierung den Wald zur Disposition. Im sogenannten Masterplan 2030+ sind zahlreiche bewaldete Flächen als „Potentialflächen“ für eine neue Bebauung ausgewiesen. Gleich fünf davon befinden sich in Eberstadt, obwohl der Oberbürgermeister auf dem städtischen Neujahrsempfang noch den Schutz des Eberstädter Waldes versprochen hatte. Zwei weitere befinden sich entlang der Rheinstraße westlich des Hauptbahnhofs, eine weitere hinter der TU Lichtwiese im Ostwald. Die SPD weist die Planungen scharf zurück und fordert stattdessen geschützte Waldumbaugebiete und mehr interregionale Zusammenarbeit.

„Beim Lesen konnte ich das selbst nicht glauben“, sagt der SPD-Vorsitzende Tim Huß. „Aber die Stadt überlegt ernsthaft, wertvolle Ökosysteme und gut genutzte Naherholungsgebiete im ganz großen Stil zu opfern. Man muss mittlerweile sagen: Neben dem Klimawandel ist die grün-schwarze Stadtregierung die größte Gefahr für unseren Stadtwald.“

Schon im vergangenen Jahr hat das grün-geführte Regierungspräsidium eine Studie veröffentlicht, die großflächige Rodungen im Eberstädter Wald vorsah. Nachdem die Stadt die Studie zunächst als „wertvoll“ bezeichnete, machte der Oberbürgermeister auf dem städtischen Neujahrsempfang einen Rückzieher und sprach sich für den Erhalt des Waldes aus. Nun bringt er selbst zahlreiche neue Baugebiete im Stadtwald ein. „Das ist eine ganz neue Dimension und geht noch weiter als die Studie des Regierungspräsidiums, die schon unhaltbar war“, sagt Huß. „Das ist keine nachhaltige Siedlungsstrategie, das ist gar keine Strategie. Stattdessen werden einfach Kreise in eine Stadtkarte gezeichnet und mal diese, mal jene Position vertreten. Es kann eigentlich nur darum gehen, die Planungen in eine Schublade zu stecken und nie mehr rauszuholen.“

Weiter kritisiert die SPD, dass der Masterplan 2030+ sich ausschließlich auf die Stadt Darmstadt beschränkt. „Der Masterplan ist eine nicht-zukunftsweisende Inselplanung“, sagt Huß. „Das große Potential der interregionalen Zusammenarbeit wird nicht einmal angepackt. Statt Wälder abzuholzen sollten Kooperationsverträge mit Umlandgemeinden geschlossen werden. Auch eine gemeinsame Planungsgesellschaft oder ein gemeinsames Wohnungsunternehmen ist denkbar. Alles ist besser als das, was vorliegt.“

Die SPD setzt als Alternative auf ein neues Wohngebiet entlang der B3 in Wixhausen und auf ein Mischgebiet in Arheilgen West. Außerdem will die SPD vermehrt in die Höhe bauen, um die Flächenversiegelung zu reduzieren. Den Stadtwald will sie aber genauso schützen wie die Stadtparks. „Nachhaltiges Wachstum heißt eben auch, neben den Siedlungsgebieten auch Grün- und Erholungsflächen zu entwickeln, mindestens aber zu erhalten“, sagt Huß. „Das gelingt uns beispielsweise, indem wir bedrohte Waldflächen zu geschützten Waldumbaugebieten erklären. So können wir einen neuen Wald schaffen, der sich den neuen klimatischen Bedingungen anpasst. Mit der Abholzung wird uns das nicht gelingen.“

Die SPD stellt klar, dass ein Stopp von neuen Siedlungsflächen nicht die Lösung ist. „Wer für neue Darmstädterinnen und Darmstädter keine Wohnungen mehr bauen will, bedient die ‚Das Boot ist voll‘-Rhetorik der AfD und treibt die Wohnungspreise weiter in die Höhe“, sagt Huß. „Außerdem wollen wir vermeiden, dass große und damit energieintensive Wohnungen in der Peripherie entstehen, die dann nur mit Autos erschlossen werden können. Es ist daher grundsätzlich richtig, zentrumsnah Verdichtungs- und Neubaupotentiale zu nutzen.“ Dabei orientiert sich die SPD am Grundsatz des nachhaltigen Wachstums. Huß: „Für uns heißt das: Über Verdichtung, höhere Gebäude, Kooperationen mit dem Landkreis und die Ausweisung unbebauter, unbewaldeter Siedlungsflächen können und müssen wir reden. Unsere Stadtparks und Stadtwälder sind dagegen tabu!“