Zum 110. Internationalen Frauen*tag:

8. März 2021

Kein milden Gaben, sondern die Hälfte der Macht! 💪

„Meine Herren und Damen!” – so beginnt Marie Juchacz 1919 im Reichstag ihre Rede und erntet prompt Gelächter. Diese Anrede ist man dort nicht gewohnt. Es ist das erste Mal, dass in Deutschland die Frau als Freie und Gleiche im Parlament zum Volk sprechen darf.

Die SPD-Reichstagsabgeordnete Marie Juchacz ist zu diesem Zeitpunkt 40 Jahre alt und Parlamentarierin der ersten Stunde in der Weimarer Republik. Als eine von gerade einmal 37 Frauen bei über 420 Abgeordneten sitzt sie in der Nationalversammlung.

Gleich in ihrer ersten Rede macht sie deutlich, wie hart die Kämpfe waren, die geführt wurden, um das zu ermöglichen: “Nun haben wir keinem außer uns selber dafür zu danken. Es ist keine milde Gabe von irgendeiner Seite, es ist kein Respekt vor unserer Arbeit dagewesen.“ ✊

Sie ist eine geschiedene Frau aus der Arbeiterklasse, alleinerziehend für zwei Kinder verantwortlich – als Politikerin eine Ausnahmeerscheinung in der damaligen Zeit.

In der Zwischenzeit hat sich viel getan. Aber noch nicht genug. Frauen sind die Hälfte der Bevölkerung. Und trotzdem sind und waren Frauen in keinem deutschen Parlament zur Hälfte vertreten. Deshalb brauchen wir Paritätsgesetze für den Bundestag, die Länder und Kommunen. Und auch für eine erfolgreiche Wirtschaft brauchen wir geschlechterparitätische und diverse Arbeitsteams, Unternehmensführungen und Aufsichtsräte. Die Hälfte der Macht gehört den Frauen!